(ABZ) Freitag, 7. November 2008 Nr.45 / MJ Jornal Nr.13

Projekt mit Ecken und Kanten

84 Meter hoher Kamin mit MJ UNI TOP eingerüstet.
Für Forschungszwecke betreibt die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen / RWTH Aachen ein Gasheizkraftwerk. Hier werden die Nutzungsmöglichkeiten von Gasen zur Energiegewinnung untersucht sowie Alternativen zu anderen Energieträgern erforscht. Bestandteil dieser Forschungsanstalt ist ein 84 Meter hoher Betonkamin, der aufgrund von Betonschäden im Sommer dieses Jahres saniert werden musste.
Den Auftrag für dieses Bauvorhaben erhielt der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW), das von Herrn Ferdinand Tiggemann als Sprecher der Geschäftsführung geleitet wird.
Den Auftrag für die Gerüstbauarbeiten wurde von der BLB NRW an die Schmitz Gerüstbau GmbH aus Zülpich vergeben.
Inhaber der Schmitz Gerüstbau GmbH ist der erst 27-jährige Gerüstbaumeister Klaus Schmitz der bereits mit 21 Jahren Gerüstbaumeister wurde.
Neben vielen kleineren Herausforderungen, die dieses Projekt an die Durchführung der Gerüstbauarbeiten stellte, waren insbesondere zwei Objektgegebenheiten von besonderer Bedeutung. So steht der 84 Meter hohe Betonkamin bis zu einer Höhe von 8 Meter auf einem ca. 8 x 8 Meter großen, quadratischen Sockel, der sich im Folgeabschnitt über eine Höhe von weiteren 8 Metern zu einem Achteck mit einem Quer-Durchmesser von ca. 6 Metern nach innen verjüngt. Ab einer Höhe von 16 Metern verläuft der Kamin rund und mit einem weiteren Versatz nach innen.
 

 

(Oben) 4 fache Stahl-Gitterträgerbrücke in T-Form mit einer AUfbauhöhe von 68 m.

(links) Sockel des Turms mit Steigleiter rechts und Links sowie weitere Anbauten.

  

Die zweite Besonderheit war die Überbrückung von zwei Rauchgaskanälen in 12 Meter Höhe, zwischen zwei Gebäudeteilen einerseits sowie vom Gasheizkraftwerk zu dem Kamin andererseits. Beide Besonderheiten erforderten detaillierte statische Berechnungen. Diese wurden vom Ingenieurbüro für den Gerüstbau Jochen Gebauer aus Düsseldorf erstellt. Gerüsttechnisch gelöst wurden die Anforderungen durch eine optimierte Gerüstkonstruktion, bestehend aus einem Systemgerüst als Arbeitsgerüst in Kombination mit systemfreien Gerüstzubehörteilen zur Stabilisierung und zur Überbrückung von Flächen, die mit Standardgerüstteilen nicht zugänglich waren.                                                                                   Die Veränderung der Kaminform einerseits und die Verjüngung des Durchmessers in zwei Stufen andererseits, erforderte dabei eine Kombination von spezifischen Lösungen. So wurde der Innenstiel des Gerüstrahmens nach 16 Metern zum Außenstiel, weil der Versatz nach innen über einen zusätzlichen 65-er Rahmen gelöst werden konnte. Dieser “Innen-/Außenstiel“ wurde über die gesamte Höhe des Turm an den statisch maßgebenden Stellen mit einer Stielrohrverstärkung, die mit einem systemfreien Gerüstrohr durchgeführt wurde, verstärkt. Das Gerüstrohr wurde dabei im Abstand von einem Meter mit einer Drehkupplung mit dem Gerüststiel verbunden. Der Versatz zwischen der quadratischen zur achteckigen Form wurde in den Eckbereichen mit systemfreien Gerüstbohlen gelöst, die auf 65-er Kragkonsolen aufgelegt wurden. Bei dem Übergang von der achteckigen auf die runde Form, in 16 Meter Höhe, wurden 65-er Kragkonsolen an den Innenstielen montiert und 2-bohlig ausgelegt. Auf diesen Bohlen wurde das zweite Gerüstfeld errichtet. Zur Lastabtragung wurden in den Ecken zusätzlich parallel verlaufende Gerüstrohre von den 65-Konsolen schräg abgehend in den rohrverstärkten Innenstiel abgeleitet. Der Außenstiel wurde an dieser Stelle mit einer Doppeldiagonale versehen, die mit Normal- und Vorschaltkupplungen angebracht wurden. Dadurch konnte die Lastaufnahme pro Rohr von 1,5 t auf 3 t erhöht werden.

Die zweite Herausforderung, die Überbrückung der beiden Rauchgaskanäle in zwölf Meter Höhe, auf der die darüber liegende, 72 Meter hohe Gerüstkonstruktion auflag, wurde durch eine Sonderkonstruktion gelöst: eine 4-fach verstärkte Gitterträgerbrücke, bestehend aus 1000 MJ-Kupplungen sowie 16 Stück 7,50 Meter langen MJ-Überbrückungsträgern aus Stahl, Bauhöhe 45 cm, die das um die Rauchgaskanäle herum aufgebaute Systemgerüst stabilisierten. Zusätzlich wurde die Gitterträgerbrücke durch Querverstrebungen mittels Rohr/Kupplungsgerüst verstärkt. Zur Erzielung einer ausreichenden Gerüstaussteifung wurde dieser Gerüstabschnitt in ca. 6 Meter und in ca. 12 Meter sowohl an der Gebäudefassade als auch am Betonturm verankert. Außerdem wurden die Stiele, die die Hauptlast aus den Gitterträgern aufzunehmen hatten, mit schrägen Rohren zum Gebäude hin und zum Traggerüst am Turm hin verstärkt. Insgesamt kamen bei dem Projekt 3.500 qm MJ UNI TOP zum Einsatz, 16 Überbrückungsträger, mehr als 3500 MJ-Kupplungen sowie 1200 Meter systemfreie Gerüstrohre. Der Aufstieg zu den einzelnen Gerüstlagen erfolgte über einen GEDA 500Z/ZP, der auch zur Personenförderung zugelassen ist.